ISaR Projekt

Inclusive Services and Rehabilitation

Virtuelles Kompetenzzentrum zur Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit einer Sehbeeinträchtigung

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Kinder und Jugendliche mit komplexen Schädigungen (Mehrfachbeeinträchtigung in Verbindung mit einer Sehschädigung)

Hier haben wir einführende Informationen zu diesem Thema zusammengestellt.

1. Kinder und Jugendliche mit komplexen Schädigungen - Mehrfachbehinderung

Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen mit einer Sehschädigung und weiteren Beeinträchtigungen

Viele Kinder und Jugendliche mit den Förderschwerpunkten geistige Entwicklung und motorische und körperliche Entwicklung haben oft auch eine Sehschädigung. Untersuchungen aus dem europäischen Ausland legen nahe, dass bis zu 30 % der Kinder und Jugendlichen mit diesen Förderschwerpunkten auch ein Sehproblem haben. Dieses wird vielfach nicht erkannt. Wenn die Sehschädigung erkannt wird, wird ihre Auswirkung auf das Lernen und die Teilhabe am Leben sehr häufig unterschätzt.
Ein Teil der Kinder und Jugendlichen mit einer Sehschädigung und weiteren Beeinträchtigungen besucht eine Schule für Blinde und Sehbehinderte. Ein großer Teil besucht andere Sonderschulen – und nur ein sehr geringer Anteil wird integrativ beschult.
Die sehgeschädigtenspezifische Beratung und Unterstützung von Kinder und Jungendlichen mit einer Sehschädigung und weiteren Beeinträchtigungen, die keine Schule für Blinde und Sehbehinderte besuchen, ist bundesweit sehr uneinheitlich und häufig auch nur sehr unzureichend sicher gestellt. Da uns im Laufe unserer bisherigen Arbeit bei ISaR relativ viele Anfragen diesbezüglich von Lehrerinnen und Lehrern erreicht haben, möchten wir hier Informationen und Links zum Thema Sehschädigung & Mehrfachbeeinträchtigung zur Verfügung stellen. Auf jeden Fall empfehlen wir Ihnen den Kontakt zur nächsten Schule bzw. zum Förderzentrum für Kinder und Jugendliche mit Blindheit & Sehbehinderung aufzunehmen und sich dort zu erkundigen, welche Ressourcen und Unterstützungen Sie von dort erhalten können. Hinter diesem Link finden Sie die Adressen der Schulen & Förderzentren.

Einen guten Überblick über die spezifischen Sehprobleme, die bei Kindern und Jugendlichen mit einer Sehschädigung und weiteren Beeinträchtigungen auftreten können, hat die finnische Augenärztin Prof. Dr. Lea Hyvärinen in dem Artikel "Die Untersuchung des Sehvermögens bei mehrfachbehinderten Kindern" dargestellt.
Eine hohe Bedeutung kommt der optimalen Versorgung mit optischen Hilfsmitteln zu. Viele Kinder mit weiteren Beeinträchtigungen sind bzgl. des Ausgleichs ihrer Fehlsichtigkeiten (z.B. Kurzsichtigkeit) falsch oder gar nicht versorgt. Ein Grund dafür liegt darin, dass Kinder und Jugendliche mit diesen spezifischen Bedingungen bzgl. der Einschätzung und Förderung des Sehvermögens eine spezielle Herangehensweise benötigen.
Um das Sehvermögen aber entsprechend einsetzen zu können, ist es unabdingbar, dass die physiologischen Brechungsfehler des Auges korrigiert werden, um zu ermöglichen, dass auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht. Bei der Gruppe der Menschen mit mehrfachen Beeinträchtigungen ist dies für Augenärztinnen und –ärzte oftmals auch „Neuland“, da sie mit solchen spezifischen Fragen nicht jeden Tag in ihrer Praxis konfrontiert werden.
Ein weiteres Problem ist auch, dass der Anteil von Kindern mit einer zerebral bedingten Sehschädigung besonders hoch ist. Im Richtlinienentwurf für den Förderschwerpunkt Sehen sind Zerebrale Sehschädigungen wie folgt beschrieben: „Zerebrale Sehschädigung bedeutet, dass Kinder und Jugendliche auf visuelle Angebote sehr individuell, manchmal blindenspezifisch, manchmal unter Nutzung ihres Sehvermögens antworten. Für den Beobachter bestehen hier häufig Schwierigkeiten der Einordnung und Interpretation“ (Richtlinienentwurf FÖS Sehen, NRW, o.J., 4).
Wir möchten Ihnen hier einen ersten Überblick über mögliche Themen geben, die bei Kindern und Jugendlichen mit einer Sehschädigung und weiteren Beeinträchtigungen relevant sein können. Hilfreich ist mit Sicherheit ein Blick auf unsere Literaturhinweise zur Einführung in die Thematik (siehe Punkt 2).

In unserer Materialdatenbank finden sie inzwischen eine ganze Reihe von Materialien & Hilfsmitteln für die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit einer Sehschädigung und weiteren Beeinträchtigungen.
Eine Übersicht an Fortbildungsangeboten finden Sie in unserer Termindatenbank. Wir möchten hier besonders auf die Angebote des Vereins „Bewegung im Dialog e.V.“ sowie der Johann-Peter-Schäfer-Schule in Friedberg
hinweisen.

2. Literaturhinweise zur Einführung in die Thematik “Sehbeeinträchtigung & mehrfache Beeinträchtigungen”

Einführung ins Thema / Integration bzw. Inklusion von Schüler/innen mit mehrfachen Beeinträchtigungen

Fornefeld, B. (2004) (3. Aufl.): Einführung in die Geistigbehindertenpädagogik. München: Reinhardt (UTB).

Häußler, M. (1995): Mehrfachbehindert-sehgeschädigte Kinder. Würzburg: Bentheim.

Hinz, A. (2003): Allen alles - Inklusion. In: Klauß, T.; Lamers, W. (Hrsg.) (2003): Alle Kinder alles lehren ... Grundlagen der Pädagogik für Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung. Heidelberg: Univ.-Verlag Winter, 143-156.

Klauß, T.; Lamers, W. (Hrsg.) (2003): Alle Kinder alles lehren ...: Grundlagen der Pädagogik für Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung. Heidelberg: Univ.-Verlag Winter.

Klostermann, B. (Hrsg.)(1996): Hand in Hand: Unterricht, Erziehung, Förderung und Therapie mit mehrfachbehindert-sehgeschädigten Kindern. Würzburg: Edition Bentheim.

Strothmann, Marina (1999): Was tun? Von der frühen Förderung mehrfachbehindert-sehgeschädigter Kinder - Ein Lesebuch. Würzburg: Edition Bentheim.

Walthes, R. (2003): Einführung in die Blinden- und Sehbehindertenpädagogik. München: Reinhardt (UTB).

Walthes, R. (2013): Sehen - Anderssehen - Nichtsehen? Zur Bedeutung des Sehens und der visuellen Wahrnehmung für Entwicklung und Lernen. In: Frühförderung Interdisziplinär, Jg. 32, S. 131-138.

Freitag, C., Walthes, R., Petz, V. (2013): Das sieht doch jede(r)... Über die Bedeutung der Sehüberprüfung im Bereich der Unterstützten Kommunikation. In: Tagungsband ISSAC, 12. bundesweite Fachtagung Dortmund. S. 221-232. Karlsruhe: von Loeper

Gudrun Lemke-Werner, Hanne Pittroff (Hrsg.): Taubblindheit /Hörsehbehinderung - ein Überblick, Verband für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik e.V., Würzburg (2009)



Formen und Auswirkungen einer Sehschädigung bei mehrfachen Beeinträchtigungen / Anregungen zur Einschätzung und Förderung des Sehvermögens

Aitken, S.; Buultjens, M. (1992): Vision for Doing. Assessing functional vision for learners who are multiply disabled. In: Buultjens, M., Fuchs, E., Hyvärinen, L., Laemers, F., Leonhardt, M., Walthes, R. (Hrsg.): Low Vision in Early Intervention - An Interdisciplinary Approach. CD-ROM, Univ. Dortmund: Dortmund.

Buultjens, M.; McLean, H. (2003): Cerebral Palsy and Visual Impairment in Children: Experience of Collaborative Practice in Scotland. Scottish Sensory Centre: Edinburgh. Als Onlinedokument erhältlich

Dutton, G. (2001): Cerebral Visual Impairment. Visual Tresholds - Working Within and Around the Limitations of Vision. In: Buultjens, M., Fuchs, E., Hyvärinen, L., Laemers, F., Leonhardt, M., Walthes, R. (Hrsg.): Low Vision in Early Intervention - An Interdisciplinary Approach. CD-ROM, Univ. Dortmund: Dortmund.

Freitag, Ch. (1998): Förderung des Sehens im Alltag - die Gestaltung des Augen-Blicks. In: Fuchs, E.; Zeschitz, M. (Hg.): Fleckerlteppiche und Frühförderung. 20 Jahre Frühförderung mehrfachbehinderter sehbehinderter und blinder Kinder in Bayern. Würzburg: Edition Bentheim, 51-63.

Fröhlich, A. (2001): Basale Stimulation. Das Konzept. Düsseldorf: Verlag Selbstbestimmtes Leben.

Fröhlich, A.; Heinen, N.; Lamers, W. (2001): Schwere Behinderung in Praxis und Theorie - ein Blick zurück nach vorn. Texte zur Körper- und Mehrfachbehindertenpädagogik. Düsseldorf: Verlag Selbstbestimmtes Leben.

Hyvärinen, L. (1998): Die Untersuchung des Sehvermögens bei mehrfachbehinderten Kindern. Hier online erhältlich

Hyvärinen, L.: www.lea-test.fi (Umfassende und informative Website zur Einschätzung und Förderung des Sehvermögens im Kindesalter und bei mehrfachen Beeinträchtigungen)

Jaritz, G.; Hyvärinen, L.; Schaden, H.; Tschinkel, N. (2002): Lilly & Gogo. Schau- und Spielgeschichten zur Wahrnehmungsschulung. Würzburg: Edition Bentheim.

Kern, H. (2003): Eine Entwicklungs- und Förderdiagnostik des Sehens für Menschen mit mehrfacher Behinderung. In: Klauß, T.; Lamers, W. (Hrsg.) (2003): Alle Kinder alles lehren ... Grundlagen der Pädagogik für Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung. Heidelberg: Univ.-Verlag Winter, 295-307.

Klauß, T.; Lamers, W. (2003): Alle Kinder alles lehren ... Grundlagen der Pädagogik für Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung. Heidelberg: Universitätsverlag Winter.

Niedernolte, I. (1998): Kortikale Sehstörungen bei Kindern - ein erster Überblick. In: AG Frühförderung sehgeschädigter Kinder (Hrsg.): Messen und Beobachten - Bewerten und Handeln. Referate der 15. Fortbildungstagung in Loccum 1997. Würzburg: Edition Bentheim, 173-188.

Strothmann, M., Zeschitz, M. (1997): Vom Curriculum zur individuellen Förderung des Sehens mehrfachbehinderter sehgeschädigter Kinder im Lebensbezug. In: Fuchs, E.; Neugebauer, H. (Hrsg.): Frühe rechtzeitige Förderung. Aufsätze zur Frühförderung sehgeschädigter Kinder. Würzburg: Edition Bentheim, 95-102.


Strothmann, M., Zeschitz, M. (2009): Visuelle Stimulation sehgeschädigter Kinder. Würzburger Bilderserie. Würzburg: Edition Bentheim.

Irmgard Bals: Zerebrale Sehstörung. Begleitung von Kindern mit zerebraler Sehstörung in Kindergarten und Schule. Würzburg (2009)

Susanne Mundhenk: Die Schleswiger Sehkiste zur Beobachtung des funktionalen Sehens und Jugendlichen unter der Fragestellung von CVI. Würzburg (2010)

Jeanette Haas, Christoph Henriksen: Im Blick!? Kinder und Jugendliche mit Sehschädigung und mehrfachen Beeinträchtigungen im Unterricht. Würzburg (2015)

Anne Henriksen, Frank Laemers (2016): Funktionales Sehen. Diagnostik und Interventionen bei Beeinträchtigungen des Sehens. Würzburg (2016)

Anne Henriksen: Frieda und der kleine Hase. Ein Bilderbuch zur Einführung der Lupenbrille. Würzburg (2016)

Gordon N Dutton: CVI - Cerebral Visual Impairment - Zerebrale Visuelle Verarbeitungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen – Aufsätze aus 10 Jahren. Würzburg (2013)

Kinder mit Sehschädigung und Autismus

Kinder mit Sehschädigung und Autismus. Eine praktische Handreichung für die Begleitung von Kindern mit Sehschädigung und Autismus-Spektrum-Störung
Monique Hamer-de Jong, Paul Lagerweij, Margreeth Strietman-te Roller, Würzburg (2012)


Unterrichtsgestaltung / Allgemeine Aspekte der Förderung

Lee, M., MacWilliam, L. (1995): Movement, gesture and sign. An interactive approach to sign communication for children who are visually impaired with additional disabilities. London: Royal National Institute for the Blind.

Lee, M., MacWilliam, L. (2002): Learning together: a creative approach to learning for children with multiple disabilities and visual impairment. London: Royal National Institute for the Blind.

Nielsen, Lilli (1992): Bist du blind? Entwicklungsförderung sehgeschädigter Kinder. Edition Bentheim.

Nielsen, Lilli (1993): Das Ich und der Raum. Aktives Lernen im „Kleinen Raum“. Edition Bentheim.

Nielsen, Lilli (1995): Greife und du kannst begreifen. Edition Bentheim.

Nielsen, Lilli (1996): Schritt für Schritt: frühes Lernen von sehgeschädigten und mehrfach behinderten Kindern. Würzburg: Edition Bentheim.

Nielsen, Lilli (2000): Der FIELA-Förderplan. Würzburg: Edition Bentheim.

Nielsen, Lilli (2002): Beobachtungsbogen für mehrfachbehinderte Kinder. Edition Bentheim.

Susann Lokatis-Dasecke und Bärbel Wolter: Gemeinsam kreativ, Integrativer Kunstunterricht mit blinden Schülerinnen und Schülern. Würzburg (2008)

Markus Held, Stephan Lux: Sehen plus 2.0. Beratung und Unterstützung sehbehinderter und blinder Schüler mit weiterem Förderbedarf. Arbeitsmodule und Materialsammlung. Würzburg 2014

Eva Keller: Sinn-voll - Wahrnehmungsförderung bei Menschen mit einer mehrfachen Sinnesbehinderung. Tanne, Schweizerische Stiftung für Taubblinde (2015)

Gertrude Jaritz, Birgit Schloffer, Constance Schrenk (Hrsg.): Gib mir Zeit und vieles wird möglich. Multisensorische Projekte für SchülerInnen mit Sehbeeinträchtigung oder Blindheit und besonderen Bedürfnissen. Würzburg (2016)

Birgit Röpke: Einfach leichter - Modifikation und Adaption von Hilfsmitteln zur Durchführung alltagspraktischer Fertigkeiten für Menschen mit beeinträchtigtem Sehen. Würzburg 2016

Kommunikative Beziehungen

Anne Varran Nafstad & Inger Rødbroe: Interventionen zur Gestaltung von Kommunikation mit Menschen mit angeborener Taubblindheit. Würzburg (2018)

 

3. Übersicht über den Lehr- und Forschungsstand an Hochschulen in Europa zum Thema Sehschädigung und Mehrfachbeeinträchtigung

Studie über die Situation der Lehre und Forschung an Hochschulen in Europa zum Thema Sehschädigung und Mehrfachbeeinträchtigung

Mit dieser Studie soll ein Überblick geschaffen werden, in wie weit das Thema Sehschädigung und Mehrfachbehinderung an Hochschulen in Europa präsent und repräsentiert ist.

Die Idee zu dieser Studie ist während des internationalen Workshops ICEVI Teacher Training Seminar in Budapest 2004 entstanden. Unter der Leitung von Emmy Csocsán und Solveig Sjöstedt arbeitete eine Gruppe am Thema Pädagogik bei Sehschädigung und mehrfacher Behinderung in der Lehrerbildung. Die Teilnehmer kamen aus acht Ländern. Zum Schluss des Seminars formulierte die Gruppe Empfehlungen für die Zukunft. Eine Empfehlung war, mit Hilfe einer Datenbank Informationen zu sammeln um dadurch die Möglichkeiten zur internationalen Kooperation in der Lehre und Forschung zu fördern. Die Teilnehmer hatten das Projekt ISaR während des Seminars kennen gelernt. Dadurch entstand die Idee, dass ISaR in der Zukunft eine solche Aufgabe übernehmen könnte.

Mit Hilfe der Adressenliste von ICEVI und dem Internet wurden 34 Hochschulen, die Studiengänge zur Pädagogik bei Sehschädigung anbieten, angeschrieben. Wir haben eine halbstandardisierte Interview-Methode verwendet und Daten von 15 Institutionen verarbeitet.

Die ersten Ergebnisse der Auswertung wurden auf der europäischen Konferenz des ICEVI Europe in Chemnitz 2005 von Emmy Csocsán und Solveig Sjöstedt vorgestellt.

Den Fragebogen samt Auswertung, Literaturlisten und Adressen sowie die Präsentation von Emmy Csocsán und Solveig Sjöstedt aus August 2005 finden Sie im Didaktikpool unter MIVI.