ISaR Projekt

Inclusive Services and Rehabilitation

Virtuelles Kompetenzzentrum zur Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit einer Sehbeeinträchtigung

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Provikit-Web App und PROVIKIT Seh-Screening – ein Angebot des Projektes ProVisioN (TU Dortmund) zur funktionalen Überprüfung des Sehens

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Provikit-App

Während der langjährigen Auseinandersetzung mit cerebral bedingten Sehbeeinträchtigungen innerhalb des Forschungsprojektes Provision an der Technischen Universität Dortmund (Ltg. Renate Walthes) entstand die Idee der Entwicklung einer webbasierten Applikation, um Beobachtungen bezüglich des visuellen Verhaltens von Kindern und Jugendlichen sowie den Ergebnissen visueller Funktionsüberprüfungen strukturiert zu dokumentieren und darzustellen.

Seit Frühjahr 2018 steht nun ein Vorschlag für ein Dokumentationswerkzeug auf der Homepage www.provikit.de zur Verfügung. Die Applikation bietet die Wahl zwischen der Dokumentation von Sehfunktionen auf Grundlage einer funktionalen Sehüberprüfung mittels selbstgewählter Verfahren aus einem Umfang von 65 möglichen Sehfunktionen oder der Durchführung eines Screening aus insgesamt 12 visuellen Funktionsüberprüfungen zum Sehen in der Nähe (Provikit-Seh-Screening).

Nach einer kostenfreien Registrierung steht das Programm allen Fachleuten zur Verfügung, die ihre Beobachtungen und Ergebnisse der funktionalen Überprüfung des Sehens bei Kindern und Jugendlichen auf der Basis von konkreten Fragestellungen dokumentieren und systematisieren möchten. Zwei Videotutorials führen anschaulich in die Benutzung der Web-App ein

Mit einem detaillierten Manual zum Download steht für das Provikit-Seh-Screening auch eine Handreichung für Personen zur Verfügung, die bisher noch wenig Erfahrungen im Bereich der visuellen Diagnostik gesammelt haben. Bestandteile dieses Manuals sind genaue Beschreibungen der Durchführungen sowie Formulierungsvorschläge für Anweisungen an das Kind und Beurteilungshilfen zur Einschätzung der gezeigten Leistungen. Darüber hinaus können die Ergebnisse mittels eines Protokollbogens dokumentiert werden. Ziel des Screenings ist es, Hinweise auf weiterführenden Überprüfungsbedarf einzelner Sehfunktionen zu sammeln.

Anstelle einer Durchführung des Provikit-Seh-Screening ist es auch möglich, ausführliche Überprüfungen des funktionalen Sehens mittels der Provikit-Web-App zu dokumentieren und zu systematisieren. Das Systeme ermöglicht hierzu eine Auswahl von 65 Sehfunktionen, die nach den Bereichen okulomotorische Funktionen, sensorische Funktionen, frühe visuelle Prozessierung, inferotemporale Netzwerke und parietale Netzwerke organisiert sind (vgl. Hyvärinen und Jacob 2011, S. 153). Im Unterschied zu den Screening-Funktionen steht für jede Sehfunktion im Bereich der Funktionalen Sehüberprüfung eine Auswahl von Testverfahren oder Materialbeschreibungen zur Verfügung, die von der Benutzerin oder dem Benutzer ausgewählt werden können.

Die Provikit-Web-App integriert die eingegebenen Ergebnisse der Überprüfung des funktionalen Sehens oder des Seh-Screenings in eine Übersicht der Sehfunktionen, die sogenannte Matrix. Innerhalb der Matrix wird das „Visuelle Funktionsprofil“ eines Kindes dargestellt (vgl. Petz 2013). Auf der oberen Querachse beinhaltet das Profil die vorher eingetragenen Ergebnisse der Sehfunktionsüberprüfungen entsprechend der Einschätzungen in „auffällig“, „unauffällig“ oder „?“ (z.B. nicht durchführbar, Abbruch, Thema weiter verfolgen) entsprechend ihrer Zuordnung zu Funktionsbereichen (okulomotorische Funktionen, sensorische Funktionen, frühe visuelle Prozessierung, inferotermporale Netzwerke und parietale Netzwerke). Die Matrix hilft dabei die überprüften Sehfunktionen zu systematisieren und einen Überblick über den weiterführenden Überprüfungsbedarf zu erhalten.

Für die funktionale Überprüfung des Sehens steht im unteren Bereich der Matrix eine umfangreiche Sammlung von Umweltfaktoren zur Verfügung, die einen Einfluss auf bestimmte Sehfunktionen haben können. Sie können als Ideensammlung für eine weiterführende Analyse der Aktivitäten unter der Bedingung von beeinflussenden Umweltfaktoren verstanden werden. Die Ergebnisse können in die Tabellenfelder der Matrix eingetragen werden. So können möglicherweise Hinweise auf günstige Sehbedingungen ermittelt werden (z.B. im Hinblick auf eine spezifische Beleuchtung, Veränderung von Farbe, Kontrast, Größe, Positionierung uvm.), die jeweils in Bezug auf eine Sehfunktionsüberprüfung vermerkt und ggf. zur Ideenentwicklung für die Unterstützung von Kindern mit Sehbeeinträchtigungen verwendet werden können.

Datenschutz

Die Web-App berücksichtigt die neuesten datenschutzrechlichen Bestimmungen, diese sind unter https://www.provikit.de/datenschutz einzusehen.  

 

Das Team von ProVisioN stellt diese Web-App kostenfrei zur Verfügung, wünscht sich eine häufige Nutzung und freut sich über vielfältiges Feedback.

Für das Team von Provision

Friederike Hogrebe ( Projektkoordination)

Literaturverzeichnis

Hyvärinen, Lea; Jacob, Namita (2011): WHAT and HOW Does This Child See? Assessment of Visual Functioning for Development and Learning. First printing. Helsinki: Vistest.

Petz, Verena (2013): Das Visuelle Funktionsprofil. Konzeption eines Verfahrens zur Ermittlung kindlicher Sehbehindungen auf Basis der Internatonalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen (ICF-CY). Technische Universtität Dortmund, Dortmund. Fakultät Rehabilitationswissenschaften.